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17.12.2020
RATGEBER

Homeoffice mit Kindern

So klappt der Spagat

Erneut zwingt ein bundesweiter Lockdown viele Berufstätige ins Homeoffice. Weil auch Schulen und Kitas geschlossen sind, müssen zahlreiche Eltern in den eigenen vier Wänden arbeiten und sich zeitgleich um ihren Nachwuchs kümmern. So wird das Arbeiten von zu Hause zur echten Herausforderung. Unsere Autorin und dreifache Mutter Judith Wildt Bastos erklärt, wie Eltern Heimarbeit und Kinderbetreuung wuppen, ohne dabei die Nerven zu verlieren. Ein Erfahrungsbericht.

 

Das darf doch nicht wahr sein...

Wer schon mal mit Kindern im Homeoffice festsaß, weiß, wovon ich rede: Eingespielte Routinen wie der morgendliche Kaffee und der entspannte Call mit den Kollegen funktionieren plötzlich nicht mehr. Wie auch, wenn jeder davon ausgeht, dass Kinder betreuen und von zu Hause arbeiten unterschiedliche Dinge sind. Stimmt ja im Grunde auch – und dennoch müssen unzählige Eltern diesen Spagat schaffen. Dabei haben wir die Wahl: Entweder wir regen uns pausenlos auf – über das Virus, die Schulschließung, unsere Kinder, die Arbeit, die Politiker und, und, und – oder wir akzeptieren die neue Realität und machen das Beste daraus. Damit uns das gelingt, beantwortest du folgende Fragen und gelangst zu neuen Erkenntnissen über deine vermeintlich schwierige Situation. Versprochen!

  

3 Fragen für mehr Durchblick:

  • Welche Vorteile bringt dir das Arbeiten im Homeoffice?
  • Welche positiven Aspekte ergeben sich für deine gesamte Familie?
  • Was kannst du (persönlich und beruflich) in der neuen Situation lernen?

 

Wenn du es schaffst, dich nicht länger auf das Problem zu fokussieren, sondern das Gute im Schlechten zu erkennen, hast du den ersten Schritt bereits getan. So kannst du Stück für Stück neue Perspektiven gewinnen. Und das Beste dabei: Du bist ein positives Beispiel für deine Kinder und zeigst ihnen, wie man eine Krise mit kühlem Kopf meistert! Denn bekanntlich lernen Kinder ja durch ihre Vorbilder.

 

 

 

ZWISCHENFAZIT:

  1. Während der Homeschooling-Phase habe ich einen besseren Einblick in den Schulalltag unserer Tochter bekommen. Ich habe mehr über ihre schulischen Stärken erfahren und bemerkt, wo sie individuelle Förderung braucht. 
  2. Gleichzeitig durften meine Kinder erste Erfahrungen mit digitalen Lernformen machen – eine wertvolle Übung für zukünftiges Arbeiten.
  3. So gesund wie in dieser Zeit hat sich unsere Familie noch nie ernährt! An Tagen, wo dank Ganztagesschule und Kita-Catering die Küche unter der Woche kalt blieb, herrschte ab dem späten Vormittag Hochbetrieb. Wir haben zu Hause ausgewogener und günstiger gekocht – und niemand hat das Mensaessen vermisst.
  4. Weil das Pendeln ins Büro entfiel, habe ich natürlich auch Zeit gespart. Diese „gewonnenen Stunden“ kamen nicht nur den Kindern, sondern auch meiner Arbeit und dem Haushalt zugute.

 

 

Vergiss den Perfektionismus!

Arbeiten im Homeoffice mit Kindern – das bedeutet auch, dass vermutlich eines stets zu kurz kommt: entweder das Arbeiten oder die Kinder. Stell dich also mental auf Abstriche ein. Das bedeutet auch: Hab Mut zur Lücke, statt nach Perfektion zu streben. Nimm es ferner mit Humor, wenn du während einer Videokonferenz oder einem Chat von deinen Kindern gestört wirst. Viele deiner Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden haben ebenfalls Nachwuchs und kennen den Spagat aus eigener Erfahrung.

  

3 Tipps fürs Homeoffice:

  1. Zeit begrenzen: Setze dir selbst Deadlines. Das ist ein probates Mittel, um sich zu zwingen, die eigene Effektivität zu steigern.
  2. Wichtiges zuerst: Konzentriere dich auf wichtige To-dos oder Projekte und filtere Nebensächliches aus.
  3. Flexibles Büro: Arbeite am Küchentisch, wenn deine Kinder gerade Hausaufgaben machen und deine Anwesenheit brauchen. Das ein oder andere geschäftliche Telefonat lässt sich vielleicht auch im Garten realisieren, während die Kleinen im Sandkasten spielen. Nutze Kopfhörer oder Headsets beim Arbeiten, wenn deine Kids mit dir im selben Zimmer sind.

  

 

 

Halte dir den Rücken frei – mit Kinderbetreuung 

Ist dein Partner auch im Homeoffice? Prima! So könnt ihr euch absprechen, wer wann eine Arbeitsphase hat, und du kannst so zumindest zeitweise konzentriert arbeiten. Falls du alleinerziehend bist oder dein Partner/deine Partnerin nicht von zu Hause aus arbeitet, könntest du dich – wenn es die aktuellen Corona-Regeln erlauben – mit einer anderen Familie oder Freunden zusammentun. Oder du bittest um Unterstützung bei den Großeltern der Kinder. Wenn alle Stricke reißen: Engagiere eine professionelle Kinderbetreuung (Babysitter) – vorausgesetzt die Pandemie-Regeln erlauben diese zusätzlichen sozialen Kontakte. Dadurch bewahrst du dir ein Stück deiner Produktivität und bringst durch die neue Routine Ruhe in deinem turbulenten Arbeitsalltag.

  

 

ZWISCHENFAZIT:

Je älter der Nachwuchs, desto reibungsloser klappt das Arbeiten im Homeoffice mit Kindern. Schließlich kannst du ein Kleinkind oder Baby nicht einfach unbeaufsichtigt im Nebenzimmer lassen. Wenn du jedoch parallel deine Kinder betreust und konzentriert arbeiten möchtest, wird vermutlich deine Produktivität unter der Doppelbelastung spürbar leiden. Ganz zu schweigen von der nervlichen Anspannung. Unter uns gesagt: Ich war froh, als wir im Frühjahr 2020 nach einigen Wochen in völliger Quarantäne wieder stundenweise Unterstützung unserer Großeltern bekamen.

 

 

Bewahre dir feste Strukturen

Neue Situationen erfordern neue Strukturen. Deswegen ist es sinnvoll, mit der gesamten Familie einen Plan aufzustellen. Darin einigt ihr euch auf feste Zeiten für deine Arbeit und koordiniert eure familiären und schulischen Aktivitäten miteinander. So weiß deine Familie, wann du Pause machst, wann du ansprechbar bist und Zeit für gemeinsame Aktivitäten hast oder bei Lernaufgaben unterstützten kannst. Hast du beispielsweise eine wichtige Telefonkonferenz oder ein Online-Meeting, kannst du zusätzlich ein Schild an die Tür hängen: „Jetzt bitte nicht stören!“

Feste Strukturen sind übrigens nicht nur für dich, sondern auch für deine Kinder immens wichtig. Bedenke: Nicht nur dein Alltag ist völlig anders, auch deinen Kindern fehlen die gewohnten Rituale aus Schule und Kindergarten.

 

 

 

 

Tipps für einen strukturierten Familien-Alltag:

  1. Feste Aufsteh- und Schlafenszeiten: Stell deinen Wecker wie gewohnt und wecke deine Kinder trotz „Corona-Ferien“ etwa zur selben Uhrzeit. So verfallt ihr erst gar nicht ins lange Schlafen. Auch das abendliche Zubettgehen sollte bei dir und deinen Kindern jeden Tag zu ähnlichen Zeiten erfolgen.
  2. Gemeinsame Mahlzeiten: Frühstückt gemeinsam jeden Tag etwa um dieselbe Uhrzeit – das Gleiche gilt fürs Mittag- und Abendessen.
  3. Für Schulkinder: Verabredet feste Zeiten fürs Homeschooling sowie lernfreie Zeiten.
  4. Für Kleinkinder: Wenn du Glück hast, gewöhnen sich auch die Kleinen schnell an den neuen Ablauf, zum Beispiel nach dem gemeinsamen Frühstück allein zu spielen. Wenn nicht, brauchst du eine Kinderbetreuung. Lies dazu meinen vorherigen Tipp.

 

 

Erziehe deine Kinder zur Selbstständigkeit – am besten von Anfang an

Stell dir vor, du arbeitest hoch konzentriert im Homeoffice, während die kleineren Kinder seit geraumer Zeit Lego-Ritterburgen bauen und deine älteste Tochter schon mal das Gemüse fürs Mittagessen schnippelt. Klingt toll, oder? Dieser Wunschtraum klappt vielleicht nicht jeden Tag. Aber: Als Eltern kannst du durchaus darauf hinarbeiten, dass sich deine Kinder die meiste Zeit selbstständig beschäftigen und nicht pausenlos Mama und Papa als „Unterhalter“ zur Seite brauchen.

  

 

Tipps für Eltern mit Kindergarten-Kindern:

  1. Feste Spielzeiten: Fordere dein Kind aktiv auf, sich eine gewisse Zeit alleine mit seinen Lieblings-Spielsachen zu beschäftigen – zu malen, basteln, bauen oder konstruieren. Auch Bücher und Hörbücher sind denkbar. Berücksichtigt in eurem Familien-Plan (siehe Tipp „Bewahre dir eine feste Struktur“) eine Zeitspanne fürs selbstständige Spielen.
  2. Freund einladen: Oft klappt das Beschäftigen im Kinderzimmer besser, wenn man einen Spielpartner hat. Vorausgesetzt die Pandemie-Regeln lassen es zu, lade für dein Kind einen Freund oder eine Freundin ein.

  

Tipps für Eltern mit Schulkindern und Teenagern:

  1. Selbstständig lernen: Sprich mit deinem Kind ab, welche Schulaufgaben es ohne deine Hilfe bearbeiten kann. Falls es dennoch mal klemmt: Verabredet, an welchen Aufgaben dein Kind in diesem Fall weiterarbeiten kann. So schaufelst du dir weitere ungestörte Minuten zum Arbeiten frei. 
  2. Aufgaben im Haushalt übernehmen: Tisch decken, Spülmaschine ausräumen, Wäsche sortieren, Essen kochen etc. – übertrage deinem Kind seinem Alter entsprechend kleinere Arbeiten.

 

 

Eine offene Kommunikation ist das A und O

Wenn die physische Anwesenheit im Büro plötzlich wegfällt, ist es umso wichtiger, dass du die Kommunikation zu deinen Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten nicht abreißen lässt. So vermeidest du unnötige Missverständnisse und förderst euer gegenseitiges Verständnis füreinander. Das bedeutet auch, dass du stets über Smartphone, Laptop und Co. während der Arbeitszeit erreichbar sein solltest. Natürlich kann das auch bedeuten, dass du die Windel einhändig wechseln musst, weil du in der anderen Hand dein Telefon hältst.

 

 

FAZIT NACH TURBULENTEN ARBEITSWOCHEN:

Homeoffice mit Kindern – das kann durchaus eine Zeit lang klappen. Vorausgesetzt: Alle in der Familie ziehen an einem Strang. Auf Dauer ist dieser Zustand aber ein großer Spagat – wollen Eltern ihren Kindern und ihrer Arbeit doch gleichermaßen gerecht werden. Ich wünsche dir viel Kraft und gute Nerven in diesen turbulenten Zeiten.